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Nachbericht zum 4. Fachforum planen - bauen - nutzen
am 25. Jänner 2012: Prozesse und Strukturen bei komplexen Bauprojekten


Mit dem Thema "Prozesse und Strukturen bei komplexen Planungs- und Bauprojekten" stieß das Fachforum planen - bauen - nutzen heuer auf breites Interesse. Über 100 Teilnehmer folgten am 25. Jänner 2012 der Einladung in die Wiener Florido Lounge zu einem spannenden Programm rund um die organisatorische Strukturierung im Planungs- und Bauprozess und die Auswirkung auf die spätere Nutzung.

Den Veranstaltern i-pm, SIDOUN und PREVERA ist es auch heuer wieder gelungen, mit abwechslungsreichen Fachvorträgen zu aktuellen Bauprojekten einen Bogen über die 3 Phasen im Gebäudelebenszyklus zu spannen.

"Die Bau- und Immobilienbranche befindet sich im Aufbruch", leiteten die Gastgeber das Fachforum ein. Die nachhaltige Betrachtung ökonomischer, ökologischer und soziokultureller Aspekte über den ganzen Lebenszyklus einer Immobilie rückt immer mehr in den Vordergrund. "Wir wissen aus der intensiven Zusammenarbeit mit unseren Kunden, dass die rasche, nachvollziehbare und dokumentierte Durchführung von Entscheidungs- und Freigabeprozessen ein wesentlicher Faktor für den Projekterfolg ist", so Gerhard Sendhofer von SIDOUN. Bauherren fordern und erwarten stärker denn je eine exakte und sichere Kostenplanung, Kostensteuerung und Kostenprognose ihrer künftigen Bauprojekte. Mit welchen Methoden und Werkzeugen diese Forderungen erfüllt werden, stellten die drei nachfolgenden Referenten in ihren praxisbezogenen Vorträgen anschaulich dar.


Nachhaltiges Krankenhaus - gerüstet für den Betrieb

Das Krankenhaus Nord und seine Anforderungen an den späteren Betrieb stellte Peter Plundrak vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) in seiner Präsentation vor. Der KAV und die Stadt Wien entwickelten für das neue "Wohlfühlspital" eine Nachhaltigkeits-Charta, die die anzustrebenden Qualitäten für die Errichtung und den Betrieb detailliert festlegt und auf die Optimierung der Gesamtlebenszykluskosten abzielt. Eine große Herausforderung war die Erstellung von Dokumentationen, die zur Inbetriebnahme in ein CAFM-System übernommen werden können. Vor allem die Größe des Planungsteams (ca. 20 Planungsgewerke, über 200 Personen …) erfordert ein zentrales Werkzeug, in dem alle Informationen zum Planungsstand zusammenfließen und abrufbar sind.

Für Herrn Plundrak ist das baubegleitende Raumbuch von PREVERA ein unverzichtbares Instrument, da es alle Beteiligten in die lückenlose Dokumentation im Planungsablauf einbezieht. Die Einbindung von Facility Management in einer frühen Planungsphase bereitet das Krankenhaus Nord auf einen transparenten Bewirtschaftungsprozess vor und führt zur Kostenoptimierung. Das webbasierte Raumbuch ist ein wachsendes und flexibles System. So sind derzeit beispielsweise eine mobile Mängelerhebung inkl. Fotodokumentation sowie ein Anlagenkennzeichnungssystem in Vorbereitung.


Herausforderung: Kostensteuerung komplexer Bauprojekte

Über seine Vorgehensweise und praktischen Erfahrungen beim Kostenmanagement aktueller Wiener Bauprojekte berichtete Herr Dipl.-Ing. Hartwig Schindler, Partner bei iC consulenten Zivilingenieur GmbH in seinem Vortrag.

Das oberste Ziel – die Einhaltung des Budgets – kann nur durch das rechtzeitige Erkennen von Abweichungen und dem Umsetzen entsprechender Steuerungsmaßnahmen über die gesamte Planungs- und Ausführungsphase hinweg, erreicht werden. Herr Schindler stellte dazu eine vollständige bauwirtschaftliche Methode für eine "vorausschauende" Kostenverfolgung vor. Dazu werden fortwährend alle Einflussgrößen auf die Prognose, wie Vergaben, Projektänderungen, erwartete, eingereichte und beauftragte Mehr- oder Minderkostenforderungen, Mengenänderungen, sowie Rückstellungen für die Preisgleitung und Risiko laufend bewertet und angepasst.

Anhand der Projekte Westbahnhof, WU Campus und Krankenhaus Nord ging Herr Schindler auch auf die besonderen Herausforderungen bei vorgegebenen Kostenstrukturen ein. Neben einer baulichen Gliederung (Anlagen, Bauteile oder Bauwerke) werden zunehmend wirtschaftliche, zeitliche oder funktionale Teilungen gefordert. Anhand des Baukostenmanagementsystems COOR zeigte Herr Schindler die flexiblen Möglichkeiten der Abbildung dieser Kostenstrukturen und die Anforderungen an die Erfassung der entsprechenden Kostengrößen. Der Vortrag wurde mit der praxiserprobten Darstellung des Kostenverlaufes und des Mittelabflusses abgeschlossen.


Änderungen beherrschen

In seinem Vortrag "Änderungen beherrschen" stellte Robert Weiss, Projektleiter, Werner Consult, anschaulich den Weg eines Änderungsantrags bis zu dessen Umsetzung anhand eines praxisnahen Beispiels dar. Gerade bei Bauten im Gesundheitswesen treffen sehr viele Gewerke aufeinander. Die Verzahnung ist so stark, dass eine kleine Änderung sofort einen Domino-Effekt auslöst. Leider ist genau das dem Bauherrn nicht immer klar. Hier wird mit einem guten und strukturierten Änderungsmanagement Klarheit und Transparenz geschaffen.

Herr Weiss unterscheidet zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Änderungen (vgl. PP-Vortrag). Vermeidbar, wenn ein funktionierendes Änderungsmanagement zu Projektbeginn eingeführt wird. Dieses soll in der Lage sein, alle Änderungen auf strukturierte Weise zu erfassen, zu dokumentieren und durchzuführen. Werden Änderungen am Bauprojekt ohne ausreichende Kommunikation vorgenommen, können diese zur Intransparenz und Störung des gesamten Projektablaufs führen. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, setzt Herr Weiss auf prozessorientiertes Arbeiten, einen sogenannten Kommunikationsstrang. Mit Hilfe der internetbasierten Projektplattform think project! werden klar definierte Prozesse zu den Änderungsevidenzen auf der Plattform abgebildet. Die Abläufe folgen den Vorgaben des Kunden, das heißt, sie werden individuell nach internen Arbeitsweisen umgesetzt. Statt bloßem Ordner teilen und Zettel kopieren, wird nun mit think project! der gesamte Änderungsantrag formalisiert, strukturiert und transparent aufbereitet. Zudem wird durch die Zuteilung bestimmter Zugriffsrechte, jeder Beteiligte informiert und auf den aktuellen Stand bzw. Status der Änderung gehalten.

Der Vorteil von prozessorientiertem Arbeiten liegt unter anderem in der Minimierung der Irritationen in der Projektrealsierung und Mehrkostenforderungen der ausführenden Unternehmen. Es dient als Informationswerkzeug gegenüber Auftraggeber und Kontrollinstanzen und hilft - als wichtigster Punkt - das Projektziel einzuhalten.

Fazit von Herrn Weiss: Projektabwicklung ohne entsprechendes Änderungsmanagement ist fahrlässig, weil Änderungen zu jedem Zeitpunkt des Projekts stets Auswirkungen auf Qualität, Budget und Termine haben. Änderungsmanagement muss zu Beginn der Projektentwicklung starten – sonst bleibt es wirkungslos.

Nächstes Fachforum im Jänner 2013

Das Fachforum planen - bauen - nutzen hat sich zu einem wichtigen Branchentreff der Bau- und Immobilienbranche etabliert. Thomas Schnabl von PREVERA kündigt an: "Die Umsetzbarkeit von Methoden und die Aktualität der präsentierten Projekte werden beim nächsten Fachforum im Jänner 2013 wieder im Vordergrund stehen."

Impressionen vom Fachforum 2012


"Prozesse und Strukturen bei komplexen Bauprojekten" lautete das zentrale Thema beim 4. Fachforum planen - bauen - nutzen.
Michael Jug (i-pm), Gerhard Sendlhofer (SIDOUN) und Thomas Schnabl (PREVERA) begrüßen die Teilnehmer.
Peter Plundrak (KAV) präsentiert das planungsbegleitende Raumbuch bei der Errichtung des Krankenhaus Nord.
Hartwig Schindler (iC consulenten) und Gerhard Sendlhofer (SIDOUN) beim Vortrag über Kostensteuerung.
Die Teilnehmer nützen die Pause zur Diskussion und zum Gedankenaustausch ...
... oder genießen den Ausblick von der Florido Lounge auf Wien an einem sonnigen Wintertag.
Robert Weiss von Werner Consult referiert über Änderungsmanagement ...
... und stellt anschaulich den Weg eines Änderungsantrags bis zu dessen Umsetzung dar.
Mehr als 100 Teilnehmer interessierten sich heuer für die spannenden Fachvorträge.

Programm 2012:

Programm - Mittwoch, 25. Jänner 2012

Florido Lounge im Florido Tower
1210 Wien, Floridsdorfer Hauptstr. 1
www.floridolounge.at
8:30 UhrBusiness-Frühstück
9:00 UhrBegrüßung
9:15 Uhr Gerüstet für den Betrieb. Datenmanagement bei der Errichtung des Krankenhaus Nord
Ing. Peter Plundrak
[Wiener Krankenanstaltenverbund]

Der Wiener Krankenanstaltenverbund definierte für sein Neubauprojekt Krankenhaus Nord von Anfang an Nachhaltigkeitskriterien für die Planungs- und Bauphase, die neben der Definition von Qualitätsstandards auf die Optimierung der Gesamtlebenszykluskosten abzielen. Herr Peter Plundrak zeigt in seinem Vortrag, wie beim Projekt Krankenhaus Nord das bereichsübergreifende Zusammenspiel zwischen den Planern, dem Bauherrn und den späteren Nutzern organisiert ist.
9:45 Uhr Herausforderung: Kostensteuerung komplexer Bauprojekte
DI Hartwig Schindler
[IC consulenten Ziviltechniker GmbH]

Vor allem Großprojekte sind durch besondere Vorgaben an die Kostenstrukturierung gekennzeichnet. Neben einer baulichen Gliederung (Anlagen, Bauteile oder Bauwerke) werden zunehmend wirtschaftliche, zeitliche oder funktionale Teilungen gefordert. Herr Hartwig Schindler zeigt anhand konkreter Bauprojekte, wie diese Strukturen implementiert und vom Vorentwurf bis zur Ausführung fortgeschrieben werden. Ergänzend dazu wird eine bauwirtschaftliche Methode zur vollständigen Kostenprognose über alle Projektphasen hinweg vorgestellt.
10:15 UhrKaffeepause
10:45 Uhr Änderungen beherrschen (Praxisbeispiele)
DI Robert Weiss
[Werner Consult ZT GmbH]

Es können bei einem Bauprojekt - auch wenn man sich alle nötige Zeit für die Planung nehmen würde - nicht alle wesentlichen Entwicklungen vorhergesehen werden. Änderungsmanagement ist in der Realisierung von Bauvorhaben entscheidend für einen reibungsfreien Ablauf. Wie setzt man in einem komplexen Bauvorhaben ein strukturiertes Änderungsmanagement um? Anhand von Beispielen aus dem Bereich Hochbau werden aktuelle Möglichkeiten präsentiert und die Umsetzung in der Praxis zur Diskussion gestellt.
11:15 UhrFragen und Diskussion